Aktuelles

Stéphanie Baechler

The Fates Are Talking
bis 24. Oktober

Finissage: Sonntag, 24. Oktober, 15-17 Uhr
Spoken Word Performance um 16 Uhr

Mit «The Fates Are Talking» von Stéphanie Baechler zeigt der ESPACE NINA KEEL erstmals eine Ausstellung einer bildenden Künstlerin. Herzstück der Einzelausstellung ist ein Dialog in Form einer fünf Meter langen Stickerei, die den Ausstellungsraum diagonal ausfüllen wird. Der Dialog liest sich als kritische Auseinandersetzung mit der Textilgeschichte der Ostschweiz und der heutigen, globalen Textilindustrie, wo in Unmengen oder für fragwürdige Auftraggeber produziert wird. 

Stéphanie Baechler hat Textil- und Modedesign in Luzern und Arnheim studiert und arbeitete mehrere Jahre für die Textilfirma Jakob Schlaepfer in St.Gallen. Die Stickerei auf transparentem Stoff ist letztes Jahr anlässlich einer Residency bei Saurer in Arbon entstanden. Die Künstlerin war Gastkünstlerin im Kulturförderprogramms TaDA (Textile and Design Alliance), das die Textilfirmen der Ostschweiz und zeitgenössisches Kunstschaffen verbindet. 

Baechler hat dabei den Kontakt mit Stickern, die sie schon lange kennt, wiederaufgenommen und mit ihnen Interviews geführt. Ebenso hat sie sich Notizen gemacht, als die zwölf Partnerfirmen und -Institutionen den TaDA-Residents Einblicke gaben in ihre Tätigkeitsfelder. Dieses Textmaterial hat die Künstlerin in einen aktuellen Dialog zwischen den Moiren, den drei Schicksalsgöttinnen, überführt. Klotho, die in der griechischen Mythologie den Lebensfaden spinnt, spricht darin Sätze wie: «The machines are soo loud, are they not going too fast? We are going to lose precision.» Oder: «But we have to make the carpet for the Saudi Prince and continue weaving history.» Für Baechler stehen die menschlichen Schicksale im Fokus, «the tenderness of the workers» steht am Anfang des Texts. Sie zeigt auf, dass Textilproduktion letztlich immer Arbeit ist, die Menschen ausführen und spricht sich aus für mehr Umsicht und Menschlichkeit.

Die Dimension der grossflächigen Stickerei gab die von Baechler verwendete Stickmaschine vor: Sie erlaubt eine maximale Stoffbreite von 5.2 Metern. Abgesehen davon reizte die Künstlerin die Möglichkeiten der Maschine nicht aus – im Gegenteil: Anstatt mit 168 Nadeln gleichzeitig zu sticken, entschied Baechler, nur eine zu verwenden und so ihrer Arbeit einen geduldigen Charakter zu geben. Auch nahm sie bewusst eine Imperfektion in Kauf, indem sie die Spannfäden zwischen den einzelnen Buchstaben stehen liess und dadurch den Weg der Nadel sichtbar machte. Wäh- rend der Dialog von Klotho, Lachesis und Atropos in Schwarz gestickt ist, leuchtet der Titel in bun- tem Ombre-Garn. Zwischen den einzelnen Dialogabschnitten fallen die in glänzendem Garn skizzierten Gesten auf – ein Verweis auf die Wichtigkeit der Hände in der Textilherstellung. Die Schriftart ist in Kollaboration mit dem Grafikstudio Fraser Muggeridge in London entstanden. Mehrere Sprechblasen aus Aluminium ergänzen die grossformatige Stickerei: Baechler schnitt sie von Hand aus Styropor aus und brannte sie in der Kunstgiesserei St.Gallen direkt in Aluminium aus.

Der ESPACE NINA KEEL stellt Architektur und Kunst aus und geht dem Zusammenspiel dieser Sparten nach. Mit «The Fates Are Talking» wird eine neue Fährte im Programm des Ausstellungsraumes aufgenommen – die Verbindung der Ostschweiz mit dem Textil. Die Stadt St.Gallen ist baulich stark geprägt von der Zeit der Stickereiblüte (ca. 1870-1914) und ihrem Reichtum – Fabriken am Stadtrand, Fabrikantenvillen am Rosenberg und grossstädtische Stickereigeschäftshäuser wie das 1905 errichtete Oceanic (St. Leonhardstrasse 20) in Bahnhofsnähe. Die Schicksalsgöttinnen prägen vier vergoldete Flachreliefs an der Hauptfassade dieses Jugendstilsbaus. Mit Beginn des Ersten Weltkrieges kam es zum Niedergang der Stickereiindustrie, zu zahllosen Wegzügen und einem lang andauernden Stillstand im Bauwesen. Der Linsebühl-Bau, worin sich der ESPACE NINA KEEL befindet, ist einer der wenigen Bauten, die in den 1930er Jahren realisiert wurden, zum Zwecke der Arbeitsbeschaffung, u.a. für die vielen arbeitslosen Stickereiarbeiter*innen.

Preise:
Sprechblasen je 1‘700 CHF.
Installation The Fates Are Talking: Stickerei von 5.2m Länge inkl. 5 Sprechblasen = 17‘000 CHF.


Die Ausstellung dauert vom 24. September bis 24. Oktober 2021.


ESPACE NINA KEEL
Linsebühlstrasse 25
9000 St.Gallen

Öffnungszeiten:
DO, 17-19 Uhr
FR, 12-18 Uhr
SA, 11-14 Uhr
Und nach Vereinbarung.

Vernissage war am 24. September (Ansprache um 18.45 Uhr, Spoken Word Performance um 19 Uhr).


Fanni Fetzer, Direktorin des Kunstmuseums Luzern, sprach diesen Juli mit Stéphanie Baechler über die Kommunikationsformen des Textilen, über die Bedeutung der praktischen Arbeit, über Geschichte und Legenden. 
Link zum Online-Gespräch.
Link zum Text von Stéphanie Baechler über ihre Residency bei TaDA.


Pressestimmen

St.Galler Tagblatt
Fünf Meter gestickte Ostschweizer Textilgeschichte
30. September 2021
Christina Genova

Hochparterre
Stoff im September
20. September 2021
Mirjam Rombach


ESPACE NINA KEEL

Eröffnung im Mai 2021

Der ESPACE NINA KEEL ist ein neuer Ausstellungsraum für zeitgenössische Positionen der Architektur und Kunst an der Linsebühlstrasse 25 in St.Gallen. Situiert im 1930-1933 errichteten Linsebühl-Bau des Architekten Moritz Hauser, ermöglichen die Ausstellungen das Nachdenken über und Abtauchen in Andernorts.

Büro für Baukultur – Pilotjahr FRAUEN BAUEN!

2021 geht das BÜRO FÜR BAUKULTUR (BfB) mit dem Projekt FRAUEN BAUEN! in eine einjährige Pilotphase. Die Initiator*innen Rebekka Ray, Nina Keel und Ueli Vogt schaffen und erproben verschiedene neue Formate der Baukultur-Vermittlung und nehmen bestehende Angebote wie das Sommercamp Architektur für Jugendliche wieder auf. 

Vor dem Hintergrund des Jubiläumsjahrs des Schweizer Frauenstimmrechts widmet sich das BfB mit dem Projekt FRAUEN BAUEN! dem Architekturschaffen von Frauen. Im Fokus stehen Ostschweizer Bauten, die von Architektinnen oder Bauherrinnen errichtet wurden und werden, sowie die Aneignung von städtischen Räumen durch Frauen. Damit will das BfB einen konzentrierten Blick auf Frauen in der Architektur richten.

FRAUEN BAUEN! umfasst Ausstellungen im Architektur Forum Ostschweiz und im ESPACE NINA KEEL sowie folgende Veranstaltungen:

- Felix Rutishauser unterwegs mit den Architektinnen Lena Stäheli und Joëlle Thomas
Stadtspaziergang Frauenfeld: Mittwoch, 11. August, 17 Uhr

- Rebekka Ray unterwegs mit der Denkmalpflegerin Bettina Hedinger zu Bauten von Susi Müller-Gehrig
Stadtspaziergang Frauenfeld: Donnerstag, 12. August, 17 Uhr

- Inauguration der ANNEXE-Möbelstücke, einer Neuinterpretation von Berta Rahms Pavillon-Interieur an der Saffa58
Frauenpavillon Stadtpark St.Gallen, 12. August, ab 16 Uhr

- Mit Michelle Bont & Milena Clalüna durchs Linsebühl
Spaziergang: Samstag, 21. August, 11 Uhr (Treffpunkt: ESPACE NINA KEEL)
Um Anmeldung wird gebeten.

- Podiumsgespräch im Architektur Forum Ostschweiz Montag, 6. September 2021, 19.30 Uhr 

- Mit Vreny Gross durch die Garage Hirsch/Sportcenter Ost
Begehung: Samstag, 2. Oktober, 11 Uhr (Treffpunkt: Rorschacherstrasse 292, St.Gallen)
Um Anmeldung wird gebeten.

- Mit Eva Lanter/BATIMENTS durchs New Nail House
Begehung: Samstag, 16. Oktober, 11 Uhr (Treffpunkt: Haldenstrasse 23, St.Gallen)
Um Anmeldung wird gebeten.


Das BÜRO FÜR BAUKULTUR (BfB) ist ein Gefäss innerhalb des Zeughaus Teufen. Im Zentrum der Tätigkeiten des BfB steht die Vermittlung von Baukultur in der Ostschweiz. Das BfB richtet sich an eine breite Öffentlichkeit, es fördert und differenziert den Diskurs über Baukultur. 

Mit grossem Dank für die Unterstützung des Pilotjahres FRAUEN BAUEN!: 

Projektleitung Heimspiel 2021

Nina Keel und Anna Vetsch sind die Projektleiterinnen des Heimspiels 2021.

Das dreijährlich durchgeführte «Heimspiel» ist ein gut etabliertes, die Ländergrenzen überschreitendes Ausstellungsformat. Es gibt Einblick in das aktuelle regionale Schaffen im Bereich der bildenden Kunst. Am Heimspiel 2021 können Künstler*innen aus Vorarlberg und Liechtenstein sowie aus den Kantonen Appenzell Ausserrhoden und Innerrhoden, St.Gallen, Thurgau und Glarus teilnehmen. 

Die Ausstellungen finden von Freitag, 10. Dezember 2021 bis zum Sonntag, 30. Januar 2022 im Kunsthaus Glarus, dem Kunstmuseum St.Gallen, der Kunst Halle Sankt Gallen, in der Kunsthalle Appenzell und im Kunstraum Dornbirn statt.

www.heimspiel.tv

Holzarchitektur im Bregenzerwald

Architekturreise, individuell buchbar

Im Bregenzerwald unweit der Schweizer Grenze sind nicht nur Einfamilienhäuser, Kappellen oder Bushaltestellen aus Holz. Auch Supermärkte und Fabrikationsbauten haben das nachhaltige einheimische Baumaterial für sich entdeckt. Seit den 1960er Jahren wird die Holzbautradition neu gedacht. In engem Austausch zwischen Handwerker*innen, Architekt*innen und Bauherr*innen sind wegweisende moderne Bauten entstanden. 

Die eineinhalbtägige Architour führt von Hittisau über Bizau (Kindergarten von Bernardo Bader) nach Andelsbuch (Werkraum von Peter Zumthor). Ein Schwerpunkt liegt auf Krumbach, wo 2014 zusammen mit lokalen Handwerker*innen sieben Busstopps von internationalen Architekturbüros errichtet wurden. In Krumbach ist der Bushalt schon mal in einem nach drei Seiten geöffneten Turm untergebracht – oder in einer Kombination mit einer Tribüne.

Auftraggeber: privat, geplant für Herbst 2021